Öffentliche Kritik an meinem früheren Arbeitgeber @CreditSuisse – warum unser System so krank ist

Ich nehme 3 Punkte aus dem FuW Interview von Thiam zum Anlass aufzuzeigen, wie krank unser kapitalistisches System ist. Ich war einmal selber Teil dieser Maschine. Während meiner Zeit im Cost Controlling wurden in diversen Sparprogrammen rund 4000 Leute entlassen und die Universalbank zur „One Bank“ umgebaut.

“Eine kotierte Aktie (Schweizer Universalbank) stellt für das Management einen Anreiz dar.”

Bedeutet konkret: Bonuszahlungen. Extrinsische monetäre Motivation ist Anreiz zur Manipulation von Führungskräften und Mitarbeitern hin zu einem noch extremeren Shareholder Value. Das ganze funktioniert so: Wir entlassen 1600 Mitarbeiter, sparen dadurch 350 Mio und bekommen darauf rund 60 Mio Bonus die auf nunmehr weniger Köpfe aufgeteilt werden können. Ich selber war als 27jähriger komplett verblendet von den Bonuszahlungen und habe jedes weitere Sparprogramm pflichtbewusst umgesetzt.

Bonussysteme sind der Kern patriachaler Machterhaltung und entsprechen in keinster Art und Weise Unternehmertum. Wahre Unternehmer wissen, dass Mitarbeiter nicht wegen Bonus Höchstleistungen erbringen sondern wenn sie motiviert, wertgeschätzt und ermutigt werden. Unternehmer kennen auch die schmale Gratwanderung zwischen einer Lean Organisation und Investition…

“Eine Firmenorganisation, die nicht expandiert, hat keine Zukunft”

Was ist das für eine Aussage? Was waren vorher für Manager (und VR) am Werk die nicht investiert haben? Sind es die Menschen – oder ist es das System? (vgl Bonus Diskussion oben) …“Die Credit Suisse soll wieder wachsen und das in der Schweiz“. Ich selber habe miterlebt, wie Teil für Teil der Bank dem anglosächsischem Management (Stil) unterworfen wurde. Mit der Übergabe von Berchtold an Dougan wurde die Schweizer Bank endgültig verkauft. Niemand hat die Hand erhoben die Bank von jemanden führen zu lassen der nicht einmal seine Familie hier hat und kein Wort Deutsch spricht. Ein solcher CEO kann niemals eine Option sein für eine Schweizer Bank. Konzerne von heute gehören jedoch niemandem mehr – niemand erhebt die Hand weil niemand die Rolle des Unternehmers inne hat. Hunderttausende anonyme Aktienbesitzer auf der ganzen Welt führen dazu, dass das Management de facto autonom agieren kann. Und von Verantwortung des Verwaltungsrates kann keine Rede sein (siehe nachfolgend), denn diese sind oftmals von den strategischen Grossinvestoren gesetzt (und abhängig).

5 Mrd Kapitalerhöhung

Herr Dougan wurde nicht müde immer wieder zu erwähnen, dass Credit Suisse die beste kapitalisierteste Bank sei. Wie auch immer … ich möchte den Scheinwerfer auf die Verwaltungsräte richten. Ein VR (-Präsident) der seinen neuen CEO eine Kapitalerhöhung von 5 Mrd. machen lässt hat nur eine Option: Geschlossen zurück zu treten wegen Missmanagement. Wer eine solche Kehrtwende macht (machen muss) ist untragbar. Die Idee des VR wäre ja, aus Sicht der Aktionäre das Management zu kontrollieren und einen langfristigen Fokus im Auge zu behalten (vgl Kapital/Bonus/Investitionen). Ich habe in keiner einzigen Medienmitteilung eine solche Forderung gehört. Warum?

Wann?

Ich bin gespannt, wann die Wende kommt. Wann eine neue Generation Manager an die Stellwerke kommt. Manager die wieder Menschen sind, in denen Venen Unternehmerblut fliesst und die eine Stelle aus Freude und Passion annehmen und nicht als einem logischen weiteren Schritt im psychopatischen Peter-Spiel nach oben. Wieso ist es nicht eine 35 jährige Schweizer Mutter mit Empathie die das Retailbanking leitet? Mit einem Twitter Account und einem Management Stil der auf einer #Vertrauenskultur aufbaut?
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Netzwerke und Räume neu gedacht #NumenforUse #aut_Innsbruck

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Netze umspannen, fangen auf, fangen ein, umweben, …
Eindrücklich erlebbare Kunst in Innsbruck.
Surreal …und doch. Wieso bauen wir nicht so? Warum schaffen wir uns nicht solche Räume zuhause? Fast jeder mag sie.

Warum verstehen wir unsere Welt im 21  Jahrhundert nicht so? …wir sind vernetzt, weben ständig und schlussendlich trägt uns die Gemeinschaft und nicht der einzelne Knotenpunkt.

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Eine verpasste Chance #Expo15 #Hunger

Die Weltausstellung in Mailand war Publikumsmagnet – die erste Welt überzeugte mit architektonisch hervorragenden Bauten, Newcomer wie Azerbeitschan oder Chile vermochten sich in Szene zu setzen (wir sind jetzt auch Gross und nicht mehr arm) und der Schweizer Pavillon war solide, auch wenn von Herzog und DeMeuron die Praktikanten am Werk waren.

Feed the Planet

Das Motto dieser Expo. Typischerweise haben die Länder jeweils ein Thema aufgegriffen und dieses extrem toll umgesetzt. ZB Luft (Breath) von Österreich,

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Austrian Pavillon “BREATH”

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UK Pavillon: Bees

Bienen von England, Fields of Ideas (Innovation) von Deutschland. Die USA haben mit Food2.0 mehr versucht computergesteuerte Landmaschinen zu verkaufen als wirklich etwas auszusagen. Aber das kennen wir ja.

Unsere Welt hat heute 7 Milliarden Menschen – die Kapazitäten von landwirtschaftlicher Produktion würden jedoch für 11 Milliarden Menschen ernähren. Das Thema der Expo „Feed the Planet“ – was de da facto heisst, Hunger in unserem Paradies Erde zu verbannen – ist insofern bereits irreführend. Das Problem ist nicht die Produktion von Lebensmitteln, das Problem ist die Verteilung. Viele Menschen auf dieser Erde können sich Nahrung schlicht und einfach nicht leisten. …Oder der Zugang zu Nahrung wird durch korrupte Regime & ausbeuterische Konzerne verhindert. (vgl Nestle die verhindern wollen, dass die Ressource Wasser ein Allgemeingut bleibt). Monokulturen, Ausdehnung der Wüsten, Abholzung der Wälder und immer stärker werdende Naturkatastrophen führen zu Hunger.

Natürlich nicht:

Kein einziges Land hat das Verteilungsproblem – die grenzen vom Kapitalismus – thematisiert. Niemand die Ausbeutung durch Konzerne. Klar nicht – wieso sollen sie auch? Schliesslich lebt ein Staat in der ersten Welt von Steuereinnahmen ebensolcher Geschäfte & Konzernen.

Verpasste Chance:

Im Nachgang zu meinem Expo Besuch wird für mich immer deutlicher, dass die Länder mit Hunger (Sahelzone, Zentralafrika, Teile von Südamerika und vereinzelt Staaten in Asien sowie fast sämtliche Kriegsgebiete) eine grosse Chance verpasst haben. Denn viele dieser Staaten waren an der Expo, haben in der zweiten Reihe Bauten zur Verfügung gestellt bekommen. …und haben darin Souvernirs und Trommeln verkauft. Die #Expo15 wäre eine Chance gewesen, auf das Verteilungsproblem aufmerksam machen. Dass sie die Probleme beim Namen nennen UND …dass die Länder selber Wege und Lösungen aufzeigen, was Bürger der ersten Welt (Expo Besucher) tun können, um Hunger auf dieser Welt zu eliminieren.

Nach meinem Besuch in Westafrika dieses Jahr (vgl Blogpost) ist mir indes auch klar, dass die Eliten in diesen Ländern absolut kein Interesse haben, irgend etwas zu ändern. Denn durch das aktuell vorherrschende korrupte System, leben diese Eliten in Saus und Braus während die eigene Bevölkerung an Hunger stirbt. Feed the Planet – lässt sich wohl nur erzielen indem wir unser kapitalistisches System überdenken. …und dazu gehört auch ein Auftritt an einer Expo. …was wenn die Schweiz als neutrales Land eine Vordenker-Rolle übernehmen würde? Auch wir haben eine Chance verpasst.

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