Wir sind komplett deformiert – Was Arbeit ist und was der Kapitalismus draus gemacht hat

Alleine diese Woche hatte ich 4 Fälle aus meinem Umfeld die zeigen, wie krank unsere Arbeitswelt geworden ist.

Der Mensch braucht Arbeit – ernährt sich mit Arbeit. Er arbeitet gerne und hat daraus auch Befriedigung. Mein Menschenbild von einem Mitarbeiter ist dieses, dass ein MA grundsätzlich gerne zur Arbeit kommt, sich um Kunden bemüht und versucht, sein Bestes zu geben. Mal mehr – mal weniger aber immer so, dass der Job erfüllt und Kunden glücklich sind.

Und die Realität?

Mitarbeiter werden wie Maschinen behandelt, werden Sie krank – werden sie ausgetauscht oder in der Burnout-Klinik repariert. Mitarbeiter wollen Transparenz und wahre Informationen und keine zentralistischen corporate communications Manipulations-Emails. Das Management ist oft komplett orientierungslos, eingeschüchtert und verblendet von Rängen und Bonus/Gehalt. Nicht selten sind Manager Menschen-Hasser statt Menschen-Liebende. Unternehmen sperren Ihre Mitarbeiter im Unternehmen ein (Präsenzkultur) – führen immer noch militärisch orientiert (oder sagen wir hierarchisch) und glauben, ohne MBO und Bonus/Malus lässt sich ein Unternehmen nicht führen.  …und 1x im Jahr fragen sich dann die gleichen Manager bei einem Retreat, warum es so wenige Frauen & Diversität im Unternehmen hat.

FREIHEIT:

Unternehmen wie Triumpf, Thomann Nutzfahrzeuge oder Ergon Informatik haben längst erkannt, dass Mitarbeiter mitbestimmen wollen. Dass gemischte Teams mehr erreichen und besser kommunizieren. Dass durch flexible und mobile Arbeitszeiten der Output und Zufriedenheit steigt und die Lohnkosten sinken. Sie erkennen, dass die fähigsten und leistungsfähigsten Mitarbeiter zwischen 30 und 45 sind – dass man in diesem Alter Familie bekommt. Ergo werden Mütter und Teilzeitväter besonders gefördert und nicht schikaniert. Was ist dabei (ausser SECO Vorschriften), wenn man am Mittwoch Nachmittag mit den Kindern im Hallenbad ist und am Sonntag Nachmittag bei Regen in Muse ein Konzept schreibt?

Eine #Vertrauenskultur führt zu einer effizienten Funktionsweise und Kommunikation im Unternehmen. ..einige Unternehmen gehen sogar soweit und machen Ihre Löhne transparent.

Auch in meinen Unternehmen gelten diese Grundsätze – alle sehen alles. Auch die Löhne, alle Umsätze, alle Wareneinkäufe,  alle Verträge bis hin zur Erfolgsrechnung mit Gewinn und Verlust. …dies führt dazu, dass ich jede Entscheidung gegenüber allen Mitarbeitern begründen muss – auch mein Lohn. Dies obwohl mir die ganze Firma gehört. 1/12 wäre niemals akzeptiert (vgl Abstimmung 2014 wo dies verworfen wurde) – ich habe die Macht, brauche aber das Kollektiv. Was nützt mir die Macht ohne das Kollektiv und ein Wohlfühlklima wenn ich selbst zur Arbeit gehe? …nur im Team – als Unternehmen und mit Spass können wir ein hervorragendes Produkt herstellen und überleben. Der Clou dahinter: Vertrauen muss man zuerst geben (Vertrauensvorschuss) bevor man es bekommt.

Wir leben nur einmal

Das was am Schluss bleibt ist die Erinnerung an eine gute (oder schlechte) Zeit. Wir haben komplett verlernt, auf uns zu hören – unsere Freiheit und Seelenfrieden am höchsten zu bewerten. Wir sind soweit deformiert, dass wir uns als kapitalistische Söldner sogar selber eine zusätzliche Woche Ferien (vgl Volksabstimmung 2014 in der Schweiz) verweigern.

Ich möchte keine Söldner und Roboter – ich möchte Mitarbeiter die Ihren Lebensentwurf leben und sich gleichzeitig für mein Unternehmen einsetzen. Sich hinterfragen und Ideen einbringen. Als Unternehmer ist es meine Pflicht, Arbeitsplätze zu schaffen, die Menschen glücklich machen und die es Menschen ermöglicht, sich zu ernähren.

LOS – Ihr Mitarbeiter – nehmt das Heft selber in die Hand. Befreit Euch von den Ketten – lebt Euer Leben – denn es gibt nur ein Leben!

One response to “Wir sind komplett deformiert – Was Arbeit ist und was der Kapitalismus draus gemacht hat

  1. Hallo Andy. Ist das wirklich so? Die Kritik an der Fließbandarbeit hat ja Charly Chaplin schon sehr gut dargestellt. In welchem goldenen Zeitalter war es schöner?
    Aber es ist wahr dass wir uns selbst immer wieder stark ausbeuten. Das tu ich als Unternehmer auch. In den großen Unternehmungen ist es vielleicht so wie du schilderst. Aus eigener Sicht weiß ich aber, dass in großen Unternehmungen 30% völlig unproduktiv sind, wenn auch vielleicht unter Stress. Weiter 40% laufen so im Stress mit. Lediglich 20 % der Mitarbeiter schieben oder ziehen den Karren.
    KMUs ticken anders. Da ist die produktive Mitarbeit sicher wesentlich höher.
    Die Entwicklung zur 1 Personen AG bringt die höchste Ausbeutung mit sich. Wie man weiß ist diese Unternehmensform im Wachsen. Selbst in der IT Branche tanzen diese 1 Personen AGs auf einem dünnen und brüchigen Seil.
    Lassen wir die talentierten Aussteiger und Lebenskünstler einmal beiseite.
    Menschen arbeiten um ihren Unterhalt zu verdienen.
    Arbeitslosigkeit ist erwiesenermaßen großes Leid. Es deformiert den Menschen fundamental, d.h. in unserer Gesellschaft nicht anerkannt werden.
    Was du machst ist interessant. Welche Erfahrung hast du mit deinem Teilzeitmann schon gemacht?
    Warum kommt es zu diesem Aufruf: : Mitarbeiter – nehmt das Heft selber in die Hand. Befreit Euch von den Ketten – lebt Euer Leben – denn es gibt nur ein Leben.
    Ist der Teilzeitmann die Alternative ?
    Ist das der Aufruf gegen die Webstühle ?
    Das Leben der wachsenden Schar der 1 Personen AGs wird zunehmend prekärer.
    Gewerkschaften für diese AGs gibt es nicht. Die Wirtschaftskammern und Handelskammern vertreten diese Gruppe auch nicht.
    Die Abwanderung in Billiglohnländer findet weiter statt. Der Transport von Waren in großen Einheiten (Jumbotrucks und Containerschiffe) verbilligt jede Ware weiterhin. Industrieroboter nehmen selbst den billigen Chinesen die Arbeit weg.
    Mindestlohngarantien, Mindestsicherung veranlassen manche Menschen sich nicht mehr um Arbeit zu bewerben. Die laufende Völkerwanderung ungebildeter , also unbrauchbarer und systemfremder Massen wird bald aggressiv werden.
    Also es ist höchste Zeit sich unserer Werte inne zu werden.
    Die Lösung liegt nicht außen.
    sie ist in uns. Es ist ein Wechselspiel von Individueller Würde,Anstrengung und Freiheit und kollektiver Übereinkunft,kollektiver Klugheit und kollektivem Selbstbewußtsein.
    Ich möchte abschleßend feststellen, dass ich die von dir in deinem Essay geschilderten Tatsachen nicht in Abrede stelle. Mir gefällt dein Engagement.
    Ich möchte mir selbst Mut machen, an den erfolgreichen Weg zu glauben, den unsere Gesellschaft in dieser Herausforderung zu gehen hat.

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